Faschpreis 2015 der Stadt Zerbst

 




Faschpreis der Stadt Zerbst


2015

 

Ein Dank an die Stadt Zerbst

Gerechnet hatte ich nicht damit - desto froher und vielleicht sogar glücklicher war ich, als mir die Stadt Zerbst vor einer Woche ihren nur alle zwei Jahre verliehenen Preis verlieh, der in seinem Namen an der großen Johann Friedrich Fasch erinnert. Dass eine „kleine“ Stadt ihres großen Mitbürgers derart continuierlich gedenkt und ihm Raum, Platz und Erinnerung widmet, ist nicht selbstverständlich; gerade deshalb fühle ich mich besonders geehrt - und bin besonders dankbar, weil dadurch der von mir beschrittene Weg eine Art Würdigung erfuhr. Wie gesagt: gerechnet hatte ich damit nicht...




Prof. Dr. Manfred Fechner, Jena

Aus der Laudatio für den Fasch-Preisträger 2015

Prof. Ludger Rémy


Meine sehr geehrten Damen und Herren,


eine Laudatio, eine Lobrede ist zu halten – und ich wurde dazu auserkoren, dies zu tun. Sie gilt dem Fasch-Preisträger 2015, einem Musiker, den ich nun schon mehr als zwanzig Jahre kenne und hoch schätze. Als wir damals in Dresden erstmalig Kontakt miteinander bekamen, war mir sehr bald bewusst: Mit dem Mann kannst du deine Pläne, Gedankenspiele und Träume in Sachen Alte Musik und deren klingende Dokumentation auf CD realisieren. Denn dieser Lehrbeauftragte aus Kalkar am Niederrhein besaß nicht nur „schnelle Finger“, musikalischen Sachverstand, Geschmack und Fantasie, sondern war darüber hinaus eine Persönlichkeit von hoher universaler Bildung (historisch, philosophisch, politisch, musikwissenschaftlich und musikalisch sowieso) -  und wurde in das Amt des Professors für Alte Musik berufen.


Nun ist wohl allen Anwesenden, die hier im Saal zur feierlichen Preisverleihung versammelt sind, klar, von wem ich rede: Der diesjährige Fasch-Preisträger der anhaltischen Stadt Zerbst ist Professor Ludger Rémy – international eine der Topp-Adressen in Sachen „Historische Aufführungs-praxis“, als Spieler von Cembalo und Hammerclavier sowie Dirigent und Ensemble-Führer weltbekannt.

Jetzt könnte freilich die Aufzählung und Würdigung all seiner Verdienste, seiner  interpretatorischen Großtaten und Glanzleistungen folgen – doch würde dies den zeitlichen Rahmen einer Laudatio sprengen.

Unbedingt gesagt werden muss aber, dass unser Preisträger als „musiksprachlicher Dolmetscher“ nahezu polyglott ist. Was uns diese besondere Gabe bislang eingebracht hat, sei mit ein paar Hinweisen verdeutlicht:


  1. -Er versteht und „spricht“ perfekt „Bachisch“

   (besonders die Sprache des zweitgeborenen Sohnes Carl Philipp Emanuel hat es ihm angetan) – aber ebenso  „Telemannisch“: Was hat er nicht alles für den Meister aus Magdeburg getan und uns verständlich erschlossen!

-Der große Gottfried Heinrich Stölzel ist im Bewusstsein der Musiker und Musikfreunde wieder präsent, er steht wieder auf dem Sockel der bedeutenden und verehrenswürdigen Komponisten – so wie es ihm, seiner Herz und Gemüt ergreifenden Musik wegen, zukommt.

-„Erlebachisch“ zu sprechen und zu verstehen, war ziemlich aus der Mode, der Ostfriese in Thüringen mit seiner zu ca. 90 Prozent verbrannten Musik hatte kaum Chancen „erhört“ zu werden. So war es für Viele eine völlig neue Erfahrung, Erlebachs zutiefst berührende Musiksprache, die er insonderheit in seinen Kantaten spricht, erstmalig (und in dieser Eindringlichkeit) zu vernehmen.

-Ja, unser Preisträger versteht sich auch auf „Gebe-lisch“– ein ziemlich komplexes „Tonsprachengewirr“ aus barocker Tradition und antizipierten „Musik-Vokabeln“ aus dem Ton-Wortschatz der noch nicht so recht etablierten musikalischen Klassik, was den Stil des Rudolstädter Hofkapellmeisters (und auch leidenschaftlichen Malers) wohl singulär macht. Ludger Rémy hat jedoch diese stilistische Eigenheit kongenial erfasst und uns die ungeheure Wirkung dieser Musik spüren lassen.

  1. -„Vor Ohren geführt“ – live sowie auf CD – hat er endlich auch Musik des Genius loci Johann Friedrich Fasch: Großbesetzte, brillant-virtuose Concerti, wie sie der Zerbster Hofkapellmeister für die von ihm so hochgeschätzte Dresdner Hofkapelle komponiert hat, kecke Streicher-Sinfonien und jene einzigartigen Ouverturen-Sinfonien, die zu den „letzten Dingen“ gehören, die Fasch als Instrumentalkomponist und musikalischer Neuerer sich ausgedacht und glücklicherweise auch noch zu Papier gebracht hat, sind von Ludger Rémy „musiksprachlich“ vollendet erfasst und auf einzigartige Weise interpretatorisch „durchleuchtet“ worden. Die CD’s mit diesen Stücken erweisen sich als wahre Zimelien der Fasch-Interpretation.



Und so ist es nur folgerichtig, dass dieser von Ludger Rémy mit Herz und Verstand vollbrachte Einsatz für die von uns allen so geliebte „Alte Musik“ im Allgemeinen und die von Johann Friedrich Fasch im Besonderen endlich mit einem Preis gewürdigt wird. Dass es der Fasch-Preis der Stadt Zerbst ist, spricht für die für die Preisvergabe verant-wortlichen „Faschianer“ – sie haben eine gute Wahl getroffen.


Zerbst, am 15. April 2015